Zwei mutige Frauen verändern Amerika


Rassentrennung und Diskriminierung von Afroamerikanern und anderen nicht-weißen Bürgern hatten in den Vereinigten Staaten von Amerika mit dem Sieg der Unionsstaaten und der Abschaffung der Sklaverei kein Ende gefunden. In den Südstaaten waren sie gesellschaftlicher Alltag und gesetzlich geschützt. Erst Mitte der 1950er Jahre begann der Kampf um Gleichberechtigung Erfolge zu zeitigen. Beendet ist er noch nicht. Zwei Frauen – Irene Morgan und Rosa Parks – haben mit ihrem Mut zu den wichtigen Veränderungen der Lage der Afroamerikaner beigetragen.

 Im Alltagsleben begegneten sich Schwarze und Weiße nur am Arbeitsplatz und in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Alle anderen Lebensbereiche wurden durch eine strikte Rassentrennung bestimmt. In den öffentlichen Verkehrsmitteln – Bussen und Straßenbahnen – waren die vorderen Plätze für Weiße reserviert, die Afroamerikaner saßen oder standen hinten, und dazwischen gab es einen Bereich von drei bis vier Sitzreihen, den Afroamerikaner auch benutzen durften, den sie aber sofort zu räumen hatten, wenn dort ein Weißer Platz nahm.

 Der Fall Irene Morgan

 1946 fuhr Irene Morgan (1917 – 2007) mit einem Greyhound-Bus von ihrem Heimatort Gloucester/Virginia nach Baltimore/Maryland, um Verwandte zu besuchen. Als sie ihren Platz im Bus für einen  Weißen räumen sollte, weigerte sie sich. Der Busfahrer hielt im nächsten Ort an und rief den Sheriff. Als der sie verhaften wollte, wehrte sich Irene Morgan, trat ihn, wo es besonders weh tut. Sie wurde zu einer Haftstrafe verurteilt. Der Prozess ging bis vor das Oberste Bundesgericht, und dieses entschied 1946, dass die gesetzliche Rassentrennung der Südstaaten keine Anwendung auf den Verkehr zwischen den einzelnen Bundesstaaten finden darf. Eine mutige Frau hatte ein wichtiges Tor aufgestoßen. In der Folge wurden vom Chicagoer Congress of Racial Equality demonstrative Busreisen in die Südstaaten veranstaltet, um die Einhaltung dieses Grundrechts zu überprüfen. Sie mussten zwölf Festnahmen und zahlreiche Anfeindungen durch den Mob ertragen. Einer der Teilnehmer wurde zu 22 Tagen in Ketten verurteilt.

 Der Fall Rosa Parks

 Elf Jahre später war es wieder eine Frau, Rosa Parks (1913 – 2005), die durch ihren Mut Rassenschranken einriss. Das Urteil, das Irene Morgan erstritten hatte, galt ja nur im Überlandverkehr. In den städtischen Bussen galt weiterhin im Süden die strikte Rassentrennung. Am 1. Dezember 1955 wurde Rosa Parks in Montgomery/Alabama verhaftet, weil sie sich weigerte, ihren Sitzplatz im Bus in der „Pufferzone“ zwischen Schwarz und Weiß zu räumen, nachdem dort ein Weißer Platz genommen hatte. Sie wurde verhaftet und später zu einer Geldstrafe von zehn Dollar plus vier Dollar Verfahrenskosten verurteilt.

 Der Montgomery Bus Boycott

 Eine unmittelbare Folge des Geschehens um Rosa Parks war der Montgomery Bus Boycott, den der junge Baptistenprediger Martin Luther King organisierte. Alle Afroamerikaner mieden die städtischen Busse und organisierten alternative Fahrdienste. Trotz zahlreicher Repressionen hielten sie den Boykott durch. Im Sommer 1956 entschied dann das Bundesbezirksgericht von Alabama, dass die Rassentrennung verfassungswidrig sei und sofort aufgehoben werden müsse. Die Stadt Montgomery ging dagegen vor dem Obersten Bundesgericht in Berufung. Am 13. November 1956 wurde das erstinstanzliche Urteil bestätigt, und am 20. Dezember 1956 hob die Stadt Montgomery die Rassentrennung in den Bussen auf.

 Rosa Parks, eine gelernte Näherin, arbeitete weiterhin in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung mit. Wegen der zahlreichen Anfeindungen und Bedrohungen zog sie aber bald von Montgomery nach Detroit. Sie war eine wirkliche Ikone des Kampfes um die Gleichberechtigung der Afroamerikaner geworden. Präsident Clinton verlieh ihr 1996 die Freiheitsmedaille, der Kongress 1999 die Goldene Ehrenmedaille, die höchste Auszeichnung der Vereinigten Staaten. Als sie 2005 starb, wurde sie im Kapitol aufgebahrt, und Präsident Bush ordnete im ganzen Land Trauerbeflaggung an. Auch heute ist Rosa Parks noch gegenwärtig. Wer an einem 1. Dezember mit Bus oder Tram fährt, findet den ersten Platz hinter dem Fahrer unbesetzt – der ist für Rosa Parks.

 31-01.2011

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