Tiere im Mund Tierische Redensarten


Nein, hier geht es nicht um saftige Steaks, Bratheringe oder Goldbroiler.  Tiere sind in unserer Alltagssprache allgegenwärtig, und wir führen sie oft im Mund. Sie machen unser Reden anschaulich und lebendig, und Tiere wecken Emotionen, wenn es zu überzeugen gilt. Da lohnt sich ein kurzer Spaziergang durch den Zoo unserer Redensarten.

 Exotische Tiere spielen keine große Rolle, auch wenn sie so groß sind wie der Elefant, den wir oft im Porzellanladen ertappen. Wer Krokodilstränen weint, zeigt nicht wirklich Trauer, wie auch die Tränen des Krokodils keine seelische Ursache haben. Dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, beruht auf einem Übersetzerfehler, denn eigentlich geht es in dem Bild um ein Seil, das auf Griechisch kamilos heißt. Den Tiger im Tank verdanken wir der Werbung. Mutige packen aber schon mal den Tiger am Schwanz.

 Affen sind gern mit unseren Wörtern gesellig. Da sitzt einer wie ein Affe auf dem Schleifstein oder macht ein Affentheater. Manche machen sich zum Affen, andere geben ihrem Affen Zucker. Mich laust der Affe, wenn ich überrascht bin. Sehr aufgeregte Zeitgenossen scheinen von einem wilden Affen gebissen zu sein. Oder haben die nur einen Affen vom Biertrinken?

 Tiere in Wald und Flur ziehen auch durch unsere Rede, sogar die Fische. Da ist jemand ein Hecht im Karpfenteich und auch sonst ein toller Hecht, wenn er sich nicht windet wie ein Aal. Wir ziehen gern einen dicken Fisch an Land, der sich dann fühlt wie ein Fisch auf dem Trockenen. Kommt der Fang dann auf den Tisch, heißt es Butter bei die Fische. Nicht nur bei den Vegetariern ist etwas weder Fisch noch Fleisch.

 Ein schlauer und listiger Mensch gilt uns gern als Fuchs, der auch schon mal fuchsteufelswild werden kann. Wie gut, wenn man dann an einem Ort ist, wo sich Hase und Fuchs Gute Nacht sagen. Weil Hasen als ängstlich gelten, obwohl sie doch nur sehr wachsam sind, möchte man kein Hasenfuß sein oder ein Hasenherz haben. Einen alten Hasen fängt man nicht so leicht, doch viele Hunde sind des Hasen Tod. Man muss halt wissen, wie der Hase läuft, und der läuft nicht im Schneckentempo. Wird er erlegt, liegt der Hase bald im Pfeffer. Auf die Frage Warum? Antwortet man dann: »Mein Name ist Hase …«. Ein Wolf begegnet uns im Schafspelz, und manche hört man mit den Wölfen heulen.

 Unter den Vögeln ist der Storch sehr beliebt, obwohl wir nicht mehr an den Klapperstorch glauben, doch der Storch hat angerufen und die Wöchnerin dann ins Bein gebissen. Da brat mir einer einen Storch! Geht jemand wie ein Storch im Salat, ist er vielleicht stolz wie ein Pfau. Ein früher Vogel fängt den Wurm, und eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Ein Spatz in der Hand ist besser als eine Taube auf dem Dach.Manche stürzen sich wie ein Geier oder Adler auf ihre Beute. Es macht keinen Sinn, Eulen nach Athen zu tragen, denn dort gibt es überall Abbilder dieses Vogels, der die Göttin Athene begleitet. Er ist sogar auf dem griechischen Euro – wie lange noch?

 Auch Tiere, die sich keiner großen Beliebtheit erfreuen, helfen oft beim Erklären einer Sache. Da hört einer die Flöhe husten oder setzt jemandem einen Floh ins Ohr. Ärgert einen die Fliege an der Wand, möchte er gern zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Doch ein Erfolg ist oft nur eine Eintagsfliege. Friedfertige Menschen können keiner Fliege etwas zuleide tun. Wenn die Katze aus dem Haus ist, tanzen die Mäuse auf dem Tisch, und mit Speck fängt man Mäuse. Da beißt keine Maus einen Faden ab, und manches ist zum Mäusemelken. Wer angibt wie eine Tüte Mücken, hat nur Motten im Kopf. Wird etwas aus der Mottenkiste geholt, kriegt der Zuhörer schnell die Motten. Der wird vielleicht spinnefeind, und man muss ihm beim Gespräch die Würmer aus der Nase ziehen. Es sollen dann aber keine Bandwurmsätze folgen.

 Natürlich gibt es auch Haus- und Nutztiere im Sprachzoo. Wer feiert, will gern die Sau rauslassen, ist etwas unter aller Sau, soll man keine Perlen vor die Säue werfen. Hat man Schwein, kann man ein Schweinegeld verdienen. Wenn jemand davon erzählt, glaubt man, das Schwein pfeift, und fragt, wo man mit so einem schon mal zusammen die Schweine gehütet hat. In einer Herde kann schon mal ein schwarzes Schaf sein, und ein räudiges Schaf steckt die ganze Herde an. Sowas geht dann auf keine Kuhhaut. Vor einem Kuhhandel soll man sich hüten, aber entschlossen den Stier bei den Hörnern packen. Oft wird der Sack geschlagen, wenn der Esel gemeint ist, und wenn es dem Esel zu wohl ist, geht er aufs Eis, vielleicht auch über eine Eselsbrücke. Da lachen die Hühner, will einer Hahn im Korbe sein. Manche laufen herum wie ein aufgescheuchtes Huhn, und ein blindes Huhn findet auch ein Korn. Wer auf einem hohen Rosse sitzt, muss davon auch wieder herunterkommen. Hat er aufs falsche Pferd gesetzt, glaubt er, ihn tritt ein Pferd. Man darf die Pferde nicht scheu machen – immer sachte mit den jungen Pferden. Welche haben schon Pferde kotzen sehen, und gut ist es, wenn man mit einem Kumpel Pferde stehlen kann.

 Der Hund ist des Menschen treuer Begleiter, auch in der Sprache. Da ist jemand auf den Hund gekommen, muss wie ein Hund leben, ist vor die Hunde gegangen und friert wie ein junger Hund. Das ist ein dicker Hund, wenn jemand bekannt ist wie ein bunter Hund. Hunde, die bellen, beißen nicht, und schlafende Hunde soll man nicht wecken. Die Hunde bellen, doch die Karawane zieht vorbei. Einer ist von allen Hunden gehetzt und von ihm nimmt kein Hund ein Stück Brot. Da wird der Hund in der Pfanne verrückt. Den letzten beißen die Hunde, wird er mit allen Hunden gehetzt. Des Pudels Kern verrät uns, wo der Hund begraben ist.

 Mit der Katze teilen viele Menschen die Wohnung. Man kauft keine Katze im Sack, aber man kann die Katze aus dem Sack lassen. Bei Nacht sind alle Katzen grau. Angeblich beißt sich die Katze auch mal in den Schwanz. Sie lässt das Mausen nicht und geht sehr vorsichtig um den heißen Brei.

 Es bleibt am Schluss dieses Spaziergangs durch den Sprachzoo die Frage, ob Vegetarier oder Veganer davor zurückschrecken, alle diese Tiere in den Mund zu nehmen. Vielleicht haben sie ja einen Botanischen Sprachgarten. Ich würde gern davon hören.

   21.03.2015

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