Die tägliche Wandlung. Die Transsubstantiation in der katholischen Eucharistiefeier


 

Wandel ist etwas, was wir fürchten können, worüber wir uns aber auch freuen können, je nachdem, aus welcher Perspektive wir den Gegenstand betrachten, der der Wandlung unterliegt. Im alltäglichen Leben bauen wir eher auf die Beständigkeit der Dinge um uns herum und uns selbst halten wir auch lieber für unwandelbar und nennen das unseren Charakter. Deshalb findet Wandel nur sehr selten statt und wird als ein Wunder bezeichnet, wenn er zum Besseren führt. Wunder haben Seltenheitswert.

Es gibt jedoch eine häufige Wandlung, die sich immer wieder, nahezu täglich ereignet. Sie findet statt in der Eucharistiefeier der katholischen Kirche. Die Gläubigen nehmen das gewandelte Brot und den gewandelten Wein wahr als den Leib und das Blut Jesu. Sie empfangen es in der Messe durch den Priester. Wie soll man sich das vorstellen?

In der Eucharistie, bei den Protestanten Abendmahlsfeier genannt, vollziehen katholische Christen den Opfertod Jesu nach und folgen den Worten Jesu bei seiner letzten Abendmahlsfeier mit seinen Jüngern: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“ Indem der Priester diese Einsetzungsworte über Brot und Wein spricht, wandelt er das in Leib und Blut. Natürlich findet da kein Kannibalismus statt. Die katholische Dogmatik erklärt den Vorgang, indem sie auf die aristotelische Philosophie zurückgreift.

Das Brot bzw. die Hostie nehmen wir wahr als einen runden Gegenstand von weißer Farbe, der eine geringe Festigkeit und einen typischen Geschmack hat. Es sind Eigenschaften des Brotes, die wir mit unseren Sinnen wahrnehmen. Was das ist, was alle diese Eigenschaften hat, können wir mit unseren Sinnen nicht erkennen. Dieses geheimnisvolle Etwas, das wir nur denken können, ist die Substanz einer Sache, zu der die Eigenschaften, Akzidenzien genannt, hinzutreten. Bei der Wandlung in der Messfeier ändert sich diese Substanz, während die Eigenschaften unverändert bleiben. Die Wandlung der Substanz ist nicht wahrnehmbar, sie wird erfahren durch den Glauben.

Für den gläubigen Katholiken sind in Brot und Wein Leib und Blut Christi gegenwärtig. Der Leib Christi ist jetzt natürlich nicht rund oder weiß oder schmackhaft, sein Blut nicht in Form des Weines berauschend. Die Teilnehmer der Eucharistie nehmen immer noch dieselben Akzidenzien wahr, wie sie vorhanden waren, als das Brot in seiner Substanz Brot war. Substanzen können ohne ihre Akzidenzien nicht existieren. So bedarf auch die durch Wandlung geschaffene neue Substanz des anwesenden Leibs Christi der Akzidenzien, die sie uns sinnlich wahrnehmbar erscheinen lässt. Solange die Akzidenzien vorhanden sind, ist auch die Substanz Leib Christi anwesend. Darum werden Hostien und Wein, die nicht bei der Abendmahlsfeier verbraucht werden, auch nicht entsorgt, sondern an speziellen Orten, in Tabernakeln aufbewahrt, wo sie weiterhin Gegenstand der Anbetung sind.

Wenn der Gläubige die Hostie zu sich nimmt, nimmt er auch ihre Substanz, die Realpräsenz Jesu auf. Im natürlichen Verlauf unserer körperlichen Prozesse verliert die Substanz ihre Akzidenzien, das Brot ist nicht mehr als Brot erkennbar. Dann endet auch die Realpräsenz Jesu im Gläubigen.

Alle Vorgänge der Transsubstantiation sind mit den menschlichen Sinnen oder mit Instrumenten, die zur Verbesserung der menschlichen Wahrnehmung dienen, nicht nachvollziehbar. In der sakramentalen Handlung vollzieht sich für den Gläubigen das Geheimnis, das sich nicht in Worte fassen lässt.

Und das kann dazu auch noch angemerkt werden: Zauberkünstler verwenden gern das Wort Hokuspokus, wenn sie uns irgendwelche Veränderungen der Wirklichkeit vorgaukeln wollen. Dieses Wort ist eine Verballhornung der Einsetzungsworte zur Eucharistie in lateinischer Sprache, wie sie früher in der Messe üblich war. Aus „hoc est corpus“ wurde Hokuspokus.

Manfred Wolff

27.07.2015

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