Mittendrin 1520

Wir können hoffen, denn nun gibt es einen Mann, auf den wir alle unsere Hoffnungen für eine bessere und menschlichere Welt richten können: Faisal bin Hassan Trad! Ihr kennt ihn noch nicht? Das ist ein Diplomat aus Saudiarabien, und der ist jetzt Vorsitzender des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen. Da wird er nun darüber wachen, dass überall auf der Welt die Menschenrechte geachtet werden, so wie er das aus seinem Heimatland kennt, und wo die Menschenrechte nicht beachtet werden, wird er das anprangern. Zum Beispiel in Deutschland, wo man Flüchtlinge in Massenunterkünften und Zelten leben lässt. Er weiß, dass in Saudiarabien kein einziger Flüchtling in einem Zelt lebt. In vielen Ländern müssen Diebe jahrelang in Gefängnissen darben und werden ihrer Freiheit beraubt. In Saudiarabien geht es human zu, und die Strafe dauert nur ein paar Minuten – man amputiert dem Dieb die Hand, und schon ist er wieder ein freier Mann. Für Wiederholungstäter steht dann noch eine zweite Hand zur Verfügung. Wer in Europa Böses getan hat, muss sich in geschlossenen Einrichtungen ein Leben lang mit Gewissensbissen quälen. In Saudiarabien köpft man solche mit dem Schwert, um sie endgültig von ihren Gewissensqualen zu befreien. Saudiarabien fördert nach besten Kräften unsere freiheitliche Grundordnung durch unbegrenzte Lieferung von Erdöl. Damit wird die freie Fahrt für freie Bürger garantiert. Einen besseren Vorkämpfer für die Menschenrechte konnte man wirklich nicht finden.

Bei der Suche nach einem geeigneten Mann für diesen wichtigen Posten haben natürlich die USA tatkräftig mitgewirkt. Die wissen ja, was Menschenrechte bedeuten. Terrorismusverdächtige sperren sie nicht im verregneten New Hampshire oder im berüchtigten Sing Sing ein, sondern in einem modernen Gefängnis in Guantanamo auf der sonnigen Insel Kuba. Übeltäter köpfen sie nicht mit altmodischen Schwertern, sondern richten sie hin mit fortschrittlichen wissenschaftlichen Methoden wie dem elektrischen Stuhl (den hat ja ein Zahnarzt erfunden, was mich überhaupt nicht wundert) oder mit Giftspritzen.

Aber nun kommt auch eine wunderbare Nachricht aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Die USA stehen an der Spitze des Umweltschutzes. Mit dieser Spitze wollen sie nun den übelsten Umweltverpester bekämpfen: das Auto. Nicht etwa jene Straßenkreuzer, die genauso viele Gallonen Kraftstoff verbrauchen wie unsere Autos Liter. Am kleinen Jetta haben sie sich festgebissen, an dem Modell mit dem Dieselmotor. Weil die Tüftler von VW sich eine kleine Software einfallen lassen haben, mit der man so ein Auto leichter durch die Abgasvorschriften der USA manövrieren kann, soll nun das Flaggschiff unserer Autoindustrie die ganze Härte des amerikanischen Gesetzes treffen, Da ist schon mal von 18 Milliarden Dollar Strafe die Rede. Dazu kommen dann noch mal die schönen amerikanischen Schadenersatzklagen, an denen sich die Rechtsanwälte goldene Nasen verdienen. Wenn sich dann alle amerikanischen COPD-Kranken zu einer Sammelklage treffen, weil mal ein VW mit Dieselmotor durch ihre Straße gefahren ist, kommt es schnell zu einer Summe, gegen die die Strafe nur peanuts ist.

Ich gebe an dieser Stelle kleinlaut zu, dass ich auch mal mit einem VW-Golf mit Dieselmotor herumgefahren bin. Ich kann nur hoffen, dass ich nicht mal an einem Amerikaner vorbeigefahren bin, der sich damals meine Autonummer gemerkt hat und mich nun für seine Alterszipperlein verantwortlich machen will. Die NSA hat sicher schon die Daten aller Dieselbesitzer erfasst, und ich muss mit einem Einreiseverbot rechnen.

Das Vorgehen der Amerikaner wirkt weltweit. Die Schweizer wollen die Zulassung von VW-Autos verbieten. Soll das die Lungenkliniken am Davoser Zauberberg schützen oder die eidgenössische Autoindustrie? Die VW-Aktien haben schon 28 Milliasrden Euro an Wert verloren. Das trifft ja sicher keine Armen. Oder doch? Bei der VW-Privatisierung hat man auf Volksaktien gesetzt. Jetzt sehe ich ein, an welche Eventualitäten man damals schon weise gedacht hat.

KptnGraubär

26.09.2015

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2 Antworten zu Mittendrin 1520

  1. effieweka schreibt:

    Hat dies auf effifanblog rebloggt und kommentierte:
    Ein Beitrag über die „Hoffnung der Menschheit“ – wie zum Beispiel den neuen Vorsitzenden des Menschenrechtsrates!!! der Vereinten Nationen – da hat man doch Grund zur Hoffnung – oder vielleicht sollte man doch nicht aufhören zu zweifeln!!!!!

  2. Der Wahnsinn – da könnte man glatt verzweifeln!

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