Polnischer Prometheus

Er ahnte das Leuchten hinter dem Horizont,
vor dem das Dunkelgemunkel
die Schönheit der Welt verbarg
und die Schatten der Nichtigkeit
wie Riesen erschienen.

Er hatte sich aufgemacht,
Licht in die Dörfer zu tragen.
Er fuhr auf das Meer der Gedanken,
trotzte den Stürmen des Widerspruchs
und überwand die Flauten des Zweifels.
Er umschiffte die Klippen der Lügen
und Sandbänke falscher Gewissheit.

Jubelnd kehrte er heim,
die Fackel hoch erhoben,
dass das Licht sich ergieße
durch Plätze und Straßen,
durch Tempel und Häuser,
und auch die Hütten noch strahlten
im klaren Glanz.

Sie entrissen ihm sein Geschenk
und warfen es in den Kot,
bemächtigten sich seiner.

An den Fels des Vaterlandes geschlagen
geht nun sein Blick hinaus
zum leuchtenden Horizont.
Der weiße Adler frisst seine Leber,
und sein Klagen bleibt unerhört,
verschlungen von Entengeschnatter
und sarmatischen Paukenschlägen.

1996

 

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