Das Wort sie sollen lassen stahn

Die Genderei schreckt vor nichts zurück. Die Sprache wird in ein ideologisches Korsett gezwängt, mit dessen Hilfe das Denken der Menschen gegendert und geändert werden soll. Das Gendern entwickelt sich immer mehr zu einem sprachlichen Totalitarismus. Es erwartet die Unterwerfung unter eine Ideologie, die sich als human und wissenschaftlich geriert.

Wenn beim gerade in Berlin abgehaltenen Kirchentag ein Liederbuch mit gegenderten Texten in Umlauf gebracht wird, erreicht dieser Angriff auf die Sprache und das Denken einen neuen Höhepunkt. Da wurde in literarische Texte mit Frechheit und Gewalt eingegriffen. „Der Mond ist aufgegangen“ wurde aller männlichen Merkmale beraubt. „Die Mondin“ blieb uns zwar erspart, aber dann heißt es „legt euch Schwestern, Brüder“ oder „und alle kranken Menschen auch“. Matthias Claudius kann sich nicht mehr wehren. Lebte er noch, hätte er gute Aussichten, einen Prozess gegen diese Angriffe auf sein literarisches Werk zu gewinnen. Noch ein Beispiel: Aus „Lobet den Herren“ wird das Lob der „Ew’gen“. Über 200.000 mal wurde dieser Unsinn gedruckt und unter die Gläubigen gebracht.

Wer denkt, dass es sich bei solchem sprachlichen Gemetzel um etwas Neues handelt, werfe einen Blick in die Geschichte. Es ist gerade 74 Jahre her, dass der freundliche Gruß „Guten Tag“ oder „Grüß Gott“ durch ein schreckliches „Heil Hitler“ ersetzt werden musste. Aus den Juden, die am Ufer des Euphrats über ihr verlorenes Zion und das Ufer des Jordans trauerten, machte man in einer arisierten Fassung von Nabucco Ägypter, die sich nach dem Nil und den Sonnentempeln von Luxor sehnten. Was sich nicht so vergewaltigen ließ, wurde als entartet denunziert oder einfach verbrannt.

Bemerkenswert ist, dass Begriffe, die einen expliziten Negativcharakter betreffen, nie gegendert werden. Faschist, Rassist, Nazi, Ausbeuter, Unterdrücker sind ohne Einschränkung dem männlichen Genus vorbehalten. Da erlahmt der zelotische Eifer. Auch das Strafgesetzbuch verwahrt sich gegen das Gendern. Da von den Propagandistinnen des Genderns häufig darauf verwiesen wird, dass Frauen sich vom männlichen Genus nicht angesprochen fühlen, wird hoffentlich nie der Fall eintreten, dass eine Frau, die aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet, freigesprochen wird, weil der § 211 StGB ja ausdrücklich beginnt: Der Mörder wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft, denn Mörder ist, wer …

Manfred Wolff

04.06.2017

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