Diese Ausstellung ist koscher. Alfred Flechtheim im Georg Kolbe-Museum


Der Name Alfred Flechtheim war in den letzten Jahren vor allem im Zusammenhang mit den Restitutionsansprüchen seiner Erben in der Diskussion. Zahlreiche Kunstwerke, die durch seine Sammlung und seine Galerien gegangen waren, befanden und befinden sich mit fragwürdiger Provenienz in Museen und Sammlungen. Das ist nicht verwunderlich angesichts der Flucht Flechtheims vor den Nazis, bei der er 1933 alles zurücklassen musste. Was noch im Besitz seiner Witwe Betty Flechtheim war, rissen sich die Nazis nach ihrem Suizid 1941 unter die Nägel.

Vor diesem Hintergrund hat Dr. Julia Wallner bei der Werkauswahl der Ausstellung „Alfred Flechtheim. Kunsthändler der Moderne“ peinlich darauf geachtet, dass alle Arbeiten von sauberer Provenienz sind, wovon sich bei der Eröffnung der Ausstellung auch die Erben Flechtheims überzeugten. Anderseits ist es schwierig, einer Plastik eine eindeutige Identität zuzuordnen, denn in der Regel werden von den Bronzen ja bis zu 15 Güsse produziert, die alle kongruent sind.

Neben Paul Cassirer und Herwarth Walden war Flechtheim einer der wichtigen Förderer der klassischen Moderne. Begegnungen mit der zeitgenössischen Kunst in Düsseldorf und Paris 1906 weckten seine Leidenschaft, und bald besaß er eine stattliche Sammlung der jungen Avantgarde. Da er von Haus aus vermögend war – sein Vater war der Getreidegroßhändler Emil Flechtheim, in dessen Unternehmen Alfred 1902 Teilhaber wurde, konnte er im große Stil erwerben: Picasso und Braque, die Künstler des Blauen Reiters und der Brücke waren schon vor dem Weltkrieg in seinem Besitz. 1913 eröffnete er in Düsseldorf seine erste Galerie und stieg in den Kunsthandel ein. 1921 verlegte er dann seinen Geschäftssitz nach Berlin ans Lützowufer 13, da im besetzten Rheinland nach dem ehemals aktiven Kavallerieoffizier Flechtheim gefahndet wurde.

Seine Galerie und die Privatwohnung in der Bleibtreustraße waren die Orte, an denen Flechtheim ein munteres gesellschaftliches Leben inszenierte, an dem Künstler und Sportler ebenso Anteil hatten wie Figuren aus der Berliner Halbwelt. Max Schmeling war ein häufiger Gast.

Es ist ein besonderes Verdienst der Ausstellung im Georg Kolbe-Museum, Flechtheims Beziehung zur Bildhauerei in den Blickpunkt zu stellen, ist doch sonst meist nur von den Malern die Rede, die er förderte. Auch die Bildhauer, die er mit seiner Galerie vertrat, waren Avantgarde und verdankten ihm ihre gesellschaftlichen und kommerziellen Erfolge. So ermöglichte Flechtheim Ernst Barlach den Bau seines Hauses in Güstrow durch ein Darlehen. An der Sensburger Allee sind Ernst Barlach, Rudolf Belling, Arno Breker, Edgar Degas, Ernesto de Fiori, Hermann Haller, Georg Kolbe, Moissey Kogan, Wilhelm Lehmbruck, Aristide Maillol, Gerhard Marcks, Georg Minne, Marg Moll und Renée Sintenis zu sehen.

Wer die Ausstellung besucht, um sich an einer großen Zahl von Kunstwerken zu erfreuen und sich von ihrer Schönheit und Dynamik einfangen zu lassen, kommt sicher auf seine Kosten. Ebenso  wird ihn aber auch die gesellschaftliche und politische Spannung erfassen, in der diese Werke entstanden sind. Erbauung und Nachdenklichkeit nehmen den Besucher gleichermaßen gefangen.

Renée Sintenis

Rudolf Belling

Ernst Barlach

Manfred Wolff

06.06.2017

 

Alfred Flechtheim. Kunsthändler der Moderne
21. Mai 2017 bis 17. September 2017
Georg Kolbe-Museum
Sensburger Allee 25
14055 Berlin
Täglich geöffnet zwischen 10:00 und 18:00 Uhr
Öffentliche Führungen: Montag, Mittwoch, Freitag und Sonntag um 14:00 Uhr; Eintrittskarte plus 2,00 Euro

Eintritt 7,00 Euro, Ermäßigung 5,00 Euro
Jugendliche bis 18 Jahre, Begleitpersonen von Schwerbehinderten (Merkmal B) frei.

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