Es begann mit einer Enttäuschung … Bayernfahrtbericht 1

So kann ein Reisebericht in Fortsetzungen gut beginnen, denn nun können eigentlich nur noch frohe Überraschungen folgen. Aber es war schon enttäuschend, bei Hof einfach über die gedachte Linie der bayerischen Staatsgrenze zu rollen, ohne auch nur einen einzigen Grenzpolizisten zu sehen, geschweige denn von dem gründlich kontrolliert zu werden, wie es doch der Heimatminister noch vor acht Wochen angekündigt hatte. So kamen wir ohne größeren Aufenthalt in Regensburg an.

Es war nicht leicht, das kleine Hotel L’Ostello in der verwinkelten Altstadt zu finden. Einbahnstraßen, Baustellen und Straßensperrungen stellten unser Google-Navi vor schwere Aufgaben. Wir mussten jedoch nicht unter einer Donaubrücke schlafen. Das Hotel hat gerade sechs Zimmer in drei Etagen. Das war schon ein recht komplizierter Anstieg durch das verwinkelte Treppenhaus. Das Personal besteht aus zwei jungen Männern, Polen, die eigentlich in Berlin sein wollten. Da waren wir also gut aufgehoben.

Dann ging es über eine Straßenbaustelle in das Zentrum Regensburgs. Hier einmal vorweg gesagt, was auch für alle anderen Städte gilt, die wir aufsuchten: es könnte auch Heilbronn, Mönchengladbach oder Neumünster sein – immer wieder dieselben Geschäfte mit denselben Angeboten. aber das Publikum unterschied sich doch sehr. Es war nämlich die Endphase der Regensburger Dult, und viele Besucher aus dem Umland gaben der Stadt mit Lederhosen und Dirndln ein ziemlich bayrisches Aussehen. Wir haben später keine einzige Lederhose mehr gesehen. (Auf der Autobahnfahrt durch Thüringen kommt man aber an einem Ort namens Lederhose vorbei.)

Zuerst kamen wir zur Alten Kapelle, angeblich die älteste Kirche Bayerns. Was äußerlich noch romanisch und gotisch anmutet, ist im Inneren goldüberströmt nach Art des Rokoko vor 300 Jahren modernisiert worden, eben katholische Pracht. Von da sind es nur ein paar Schritte zum Regensburger Dom, ein sehr beeindruckender gotischer Prachtbau. Von den Regensburger Domspatzen war allerdings nichts zu sehen, Die trafen wir dann am Abend im bischöflichen Biergarten, wo sie fleißig Krümel pickten.

Der Dom wurde erst im ausgehenden 19. Jahrhundert fertig, ähnlich dem Kölner Dom. Der BER hat also auch noch Zeit. Das reich mit figürlichen Darstellungen geschmückte Portal ist jedoch original mittelalterlich.

Nun noch zur Donau hinunter, über die Steinerne Brücke, deren Restaurierung nun schon länger dauert als der originale Bau im 13. Jahrhundert. Solche Brücken eignen sich wohl vorzüglich für den Aufzug eines bunten Völkergemischs. Leider habe ich wie sonst in Prag keinen Bekannten getroffen.

 

Den Abschluss fand der nachmittäglich-abendliche Rundgang im bischöflichen Biergarten. Das Essen? Natürlich echt bajuwarisch saure Lüngerl mit einem große Semmelkloß. Wir hatten übrigens das Glück, bei dem herrlichen Sommerwetter jeden Abend im Biergarten zu verbringen, mit einer unrühmlichen Ausnahme, doch davon später.

Am Sonntag dann ein Stadtbummel zu den 40 Regensburger Türmen, Hochhäuser, die ohne jeden wirtschaftlichen Zweck von den reichen Kaufleuten errichtet wurden, um mit dem Wohlstand zu prahlen. Und dann für mich einer der wichtigsten Programmpunkte der Reise: das Schnupftabakmuseum! Man kann es nur mit einer Führung besuchen, und wir waren die einzigen Interessenten. Das Museum ist die aufgegebene Produktionsstätte der Firma Bernard, die sich hier von Offenburg kommend in einem alten Patrizierhaus niedergelassen hatte. Es war interessant, die alten Maschinen zu sehen, und obwohl seit über 20 Jahren dort kein Schnupftabak mehr produziert wird, roch es immer noch nach einem guten Schmalzler.

Wie es dann am nächsten Tag weiterging, steht im nächsten Bericht.

 

Manfred Wolff

2.10.2018

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