Wer nicht in Altötting war … Bayernfahrtbericht 3

… war auch nicht in Bayern. Also führte uns unser Weg nun in die bayrische Kleinstadt, die vor allem durch eines berühmt ist: das Gnadenbild der Schwarzen Mutter Gottes. Dorthin zieht es die katholischen Pilger aus ganz Bayern, zur Patrona Bavariae.

Wir hatten Glück, einen Parkplatz ganz in der Nähe der Gnadenkapelle zu finden – ein Wunder? Da der aber vor der Stiftskirche lag, haben wir die zuerst besucht. Das Foto vom Tod in Altötting ist mir leider misslungen. Dafür konnte ich einen Blick auf das Grab Tillys werfen. Das war kein freundlicher Blick für den Zerstörer und Plünderer des stolzen Magdeburgs, das erste neuzeitliche Kriegsverbrechen.

Um nun in die Gnadenkapelle zu kommen, muss man drei Kreise durchschreiten. Der äußerste Kreis ist eine Kette von Devotionalienhändlern. Wunder scheinen ja in besonderem Maße Geld anzuziehen. Da wird ein schwunghafter Handel mit allen möglichen Dingen getrieben. Vor jedem der offenen Verkaufsstände drängen sich die Leute zum Erwerb von Rosenkränzen, Kruzifixen, Schneekugeln, Weihwasser in Flaschen von 50 bis 500 ml und natürlich Nachbildungen der Wundermadonna. Ob das wohl alles auch noch zuhause wundersame Wirkung entfaltet?

Der zweite Kreis ist eine Allee schattenspendender Bäume, der wie ein Brautkranz die Gnadenkapelle umgibt.

Unmittelbar um die Gnadenkapelle verläuft ein Laubengang, dessen Wände mit unzähligen Votivbildern behängt sind, Zeugnisse wundertätiger Hilfe der Gottesmutter. Dazu unten mehr.

Und nun hinein in die Kapelle. Es ist ein großes Gedrängel. Das sind sicher nicht nur Gläubige. Die Schwarze Mutter Gottes hell angestrahlt, reich geschmückt und beschenkt. An ihrem Zepter erkenne ich den Bischofsring vom Ratzinger. In der Wand die Kapseln mit den Herzen der bayrischen Könige. Da wäre noch Platz für ein gutes Dutzend, aber – na ja, ist halt nur noch ein Freistaat.

Wieder an der frischen Luft kann ich nun die unzähligen Votivbilder bestaunen, die fromme Menschen zum Zeugnis der Hilfe durch Maria dort haben anbringen lassen. Ein Kaleidoskop naiver Malerei. Wächserne Nachbildungen von geheilten Gliedmaßen füllen einen Schaukasten. An die Wand gelehnt stehen da hölzerne Kreuze, halb mannshoch, die zur Buße um die Kapelle getragen werden sollen.

Für mich ist an solchen Orten immer am interessantesten das ausliegende Fürbittenbuch. Dort findet man, was den Menschen schwer auf der Seele liegt: Persönliches wie Krankheit, Ehekrisen, Trauer und Sorgen um die Kinder, aber auch Hilfsbedürftigkeit bei Alltagsproblemen wie Arbeitslosigkeit, Armut, drohender Wohnungsverlust. Ich konnte nur kurz darin blättern, denn hinter mir standen schon Leute an, die dort ihre Bitten eintragen wollten. Diese Fürbittenbücher in den Wallfahrtsorten sollten unseren Politikern zur Pflichtlektüre vorgelegt werden, damit sie erfahren, welche Not im Land herrscht.

Für uns geht die Reise weiter an den Chiemsee.

Manfred Wolff

7.10.2018

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