Wir wollen mehr … Bayernfahrtbericht 4


Wir wollen mehr … Bayernfahrtbericht 4

… nämlich das bayrische Meer: den Chiemsee! Wir fuhren über Traunreut dorthin. In dieser nach dem Krieg aus einer Munitionsfabrik entstandenen Stadt hatte ich ein kurzes Gastspiel vor 50 Jahren und heiratete dort auch zum ersten Mal. Dann waren es nur noch zehn Kilometer bis nach Chieming am Ostufer des Chiemsees.

Urszula hatte die preiswerte Pension Berdlhof ausfindig gemacht, und so wohnten wir drei Nächte hundert Meter vom Ufer des Sees entfernt, also gar nicht entfernt, sondern ganz nah. Dass wir WC und Dusche auf dem Flur mit den anderen Gästen teilen mussten, war etwas ungewöhnlich, eben der touristische Standard der 1950er Jahre. Aber wir hatten ein Dach über dem Kopf in einem gemütlichen Zimmer – das sollte reichen.

Gleich am ersten Abend kamen wir in den Genuss der zauberhaften Sonnenuntergänge am Chiemsee. Es gibt keine schöneren in Bayern.

Am nächsten Tag schipperten wir mit dem Dampfer über den See zu den drei Inseln. Die Krautinsel lässt man links liegen. Im Süden türmen sich die Voralpen auf, ganz nah der Hochgern und die Kampenwand. Dann landen wir auf der Herreninsel. Am Anleger türmt sich das Augustiner-Chorherrenstift auf. Hier wurden unsere Grundrechte der Verfassung vom Parlamentarischen Rat beschlossen. Das war unsere erste Begegnung mit der deutschen Verfassungsgeschichte auf unserer Reise.

Mit dem Kutschwagen fährt man dann zum Schloss Herrenchiemsee, eines der Märchenschlösser des Königs Ludwig II.. Hier sollte sein Versailles entstehen. Der König hat das Schloss nur einmal besucht, ich nun schon zum dritten Mal. Die Pracht aus Gold und edlen Mineralien, kunstvollen Möbeln und schweren Stoffen, historischen Plastiken und Gemälden verfehlt nicht ihre Wirkung. Das Schloss ist nicht fertig geworden, denn mit dem Tod des Königs gab es einen Baustopp aus München. Das reich geschmückte Treppenhaus, die Empfangszimmer und der große Spiegelsaal waren aber schon nach sieben Jahren fertig, was unsere Führerin zu der hämischen Bemerkung hinriss, dass man am Berliner Flughafen in solcher Zeit noch nicht so weit war. Wie peinlich! Leider durfte man nicht fotografieren, deshalb verweise ich hierzu auf Wikipedia. Als Sahnehäubchen gab es aber in einem Seitenflügel eine Auswahl von Werken aus der Münchner Pinakothek der Moderne.

Das nächste Ziel war die Fraueninsel. Benediktinerinnen betreiben das Kloster Frauenwörth, das auf eine Stiftung in karolingischer Zeit zurückgeht. In der Kirche ist das Grab der Heiligen Irmengard zu sehen. Markantestes Wahrzeichen der Insel ist jedoch der freistehende Campanile, der auf keinem Chiemseebild fehlen darf. Sehr beeindrucken auch das karolingische Torhaus mit seiner Michaelskapelle und der romanischen Tordurchfahrt. Unsere nächsten Ziele sollten eigentlich der Königssee mit St. Bartholomä und eine Fahrt auf den Jenner sein. Doch den ganzen Vormittag und Mittag herrschte Schnürlregen. So fiel unsere Planung buchstäblich ins Wasser. Ein ruhiger Erholungstag kann ja auch angenehm sein …

Manfred Wolff

11.10.2018

 

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