Warum schwarz sehen? Bayernfahrtbericht 5


Wir wollten lieber Schwaz sehen. Dafür mussten wir zwar Bayern für eine Abstecher nach Tirol verlassen, doch das war auch ein wichtiger Punkt, denn Urszula hatte in Schwaz vor 34 Jahren gearbeitet. Also ging es über die Autobahn hinein ins Inntal. Doch HALT! So einfach geht das nicht. An der Grenze mussten wir erst ein Autobahnwapperl für 9 € erwerben und dann an unsere Frontscheibe kleben. Wir wollten zwar nur 20 km bis Schwaz fahren, aber freundlich wie die Österreicher nun mal sind, erlaubten sie uns nun, zehn Tage lang auf dem gesamten Autobahnnetz der Republik herumzureisen. Aber das wollten wir nicht. Und Tunnels kosten ja auch noch extra …

Dass Schwaz mal nach Wien die zweitgrößte Stadt Österreichs war, sieht man der heute verschlafen wirkenden Kleinstadt nicht mehr an. Nur ein Bierkastenrennen hat Leute am Sonnabend auf die Straßen gebracht. Das alte Rathaus zeugt zwar noch von vergangener Größe und Bedeutung, ansonsten fallen an denkmalwürdigen Bauten nur ein aufgegebenes Mietwaschhaus und die Residenz der Fuggers auf. Es hat sich aber in den vergangenen 34 Jahren doch einiges verändert, denn Urszula fand keinen der Orte wieder, an denen sie damals zu tun hatte.

Dafür ging es dann am nächsten Tag nach Innsbruck. Vom Parkhaus am Rande der Altstadt erreichten wir natürlich als erstes Ziel das goldene Dachl. Da gönnte sich Maximilian der letzte Ritter doch noch was, um die Jahrhundertwende 1500 zu feiern. Man ahnt etwas von der festlichen Stimmung damals, wenn heutzutage Menschen aus aller Welt dort zusammenlaufen, die Cafés füllen und ihre Selfies machen. Zur Mittagsstunde erklang aus den Fenstern des Alten Rathauses ein Bläserkonzert auf den Platz. Da denkt man einfach nicht mehr daran, dass eben da auch gern Ketzer verbrannt wurden. Das tut man ja auch nicht in Florenz vor der Signoria und in Rom auf dem Campo de Fiori.

„Solange Gott einen Bart hat, bin ich Feminist.“ Das steht tatsächlich in roten Buchstaben am Innsbrucker Dom, nicht in Stein gemeißelt, aber doch gut lesbar auf der Abdeckplane der Restaurierungsarbeiten. Im Inneren des Doms eine weitere Überraschung: die Kniebänke sind alle weich gepolstert! Da haben wohl Glaubensstrenge und Bußfertigkeit Toleranz und Kommodität weichen müssen.

Ein Bummel durch die Altstadt Innsbrucks mit ihren schattigen Laubengängen, reichen Geschäften, schönen Häusern rundete uns diesen Tag ab.

Manfred Wolff

25.10.2018

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