A kommt zum Schluss – Bayernfahrtbericht 6


Und das gleich doppelt: Andechs und Augsburg! Zuerst ging es aber entlang dem Achensee (noch ein A!) durch das Karwendelgebirge. Am verwaisten Grenzübergang mitten im Wald war wieder kein bayerischer Grenzpolizist zu sehen. Nur die alten Zollgebäude aus der Zeit, als Österreich noch nicht EU-Mitglied war, zeugten von staatlich hoheitlicher Tätigkeit.

Wer Bayern sagt, muss auch Andechs sagen. Also auf nach Andechs. Da mussten wir allerdings einen großen Bogen um München machen, was zwar hinsichtlich der Sehenswürdigkeiten und Museen sehr bedauerlich war, jedoch einfach zwangsläufig nicht anders ging, weil in München und näherer Umgebung wegen der Oktoberfestnähe alle für uns bezahlbaren Hotels ausgebucht waren.

Andechs, der heilige Berg der Bayern, war auch ausgebucht, und das nicht von bußfertigen Pilgern. In der Kirche geisterten ein paar Leute herum, wohl Touristen wie wir. Da konnte man sich noch mal an bayrischem Barock und Rokoko berauschen. Umso mehr Menschen berauschten sich im angeschlossenen Wirtshaus am Wunder der Biervermehrung. Das sah aus wie eine Generalprobe für das Oktoberfest.

In Augsburg wurde gerade kein Fest gefeiert, als wir dort ankamen. Die Stadt wirkt aufgeräumt und zufrieden. Gleich gegenüber unserem Quartier finden wir die wichtigste Sehenswürdigkeit Augsburgs: die Fuggerei. Da hat Jakob Fugger der Reiche 1521 eine ganzes Viertel gestiftet, in dem Bedürftige Bürger Augsburgs bei kleinen Mieten wohnen konnten. Die Jahreskaltmiete für eine Wohnung setzte er auf einen Rheinischen Gulden fest, und dieser Mietzins gilt auch heute noch: umgerechnet und inflationsbereinigt 0,88 Euro. Dazu kommen Nebenkosten von 85 Euro. Da von den Bewohnern als Gegenleistung drei Gebete, zu denen auch das Ave Maria gehört, für die Familie Fugger erwartet werden, wohnen nur Katholiken in der Siedlung. In den 67 Häusern an mehreren Straßen sind heute 160 Wohnungen vorhanden. Alle Zerstörungen durch Kriege wurden aus dem Fuggerschen Familienvermögen immer wieder überwunden. Politiker und Reiche, fahrt nach Augsburg und schaut euch das an, und dann: Gehet hin und tuet das Gleiche!

Zwei Straßen weiter lernt man, dass der junge Bert Brecht über eine Brücke den Hinteren Lech überqueren musste, wenn er das Elternhaus verlassen wollte.

Auf die Fuggers trifft man an vielen Stellen in Augsburg. Ihr großes Verdienst ist die Einführung der Renaissancekunst nördlich der Alpen, wovon die Annakirche, Grablegung der Fuggers, und die Damenhöfe besonders schöne Zeugnisse sind. Die Annakirche ist nicht nur kunsthistorisch ein prächtiger Teil des schönen Augsburgs, sie ist auch eine konfessionelle Kuriosität. Die evangelische Kirche hat eine katholische Kapelle für die Fuggers. So geht der Augsburger Religionsfriede.

Am Weberhaus beklagt in einem Fresko die Inschrift den Niedergang der einst bedeutsamen Augsburgischen Textilindustrie durch die Mechanisierung. An Bangladesh hat da noch keiner gedacht.

Natürlich haben wir auch den Dom besichtigt, der eine interessante Baugeschichte erzählt. Sehr schön ist dort der Kreuzgang mit seinen zahlreichen Epitaphien.

Da Augsburg vom römischen Kaiser Augustus gegründet wurde, verfügt es nicht nur über einen ihm geweihten Brunnen auf dem Markt, sondern auch im ehemaligen Zeughaus über ein Museum, in dem archäologische Funde aus der Römerzeit zu finden sind. Besonders die Reliefs mit Abbildungen aus dem antiken Alltag vermitteln ein gutes Bild des Lebens in jener Zeit.

Das war dann die letzte Etappe unserer Bayernfahrt. Am Abend gab es noch ein richtiges bayerisches Essen im Biergarten des Restaurants Tafeldecker im Hof der Fuggerei. Am nächsten Morgen ging es dann nordwärts, voll wunderbarer Eindrücke. Wir haben soo viel gesehen und noch mehr versäumt.

Manfred Wolff

29.10.2018

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