Missbrauch von Kindern und Jugendlichen ist eine schwere Straftat


 

Zu Recht gehen die Strafverfolgungsbehörden neuerdings verschärft gegen die Clanstrukturen im organisierten Verbrechen vor. Eine Paralleljustiz, die sich religiös auf die Scharia oder atavistisches Brauchtum zu ihrer Rechtfertigung beruft, kann ein demokratischer Rechtsstaat nicht dulden.

Das Verhalten der römisch-katholischen Kirche in der Missbrauchskrise ähnelt sehr den Verhältnissen in den kriminellen Clans. Da wird mit dem niedlichen Wort „vertuschen“ die klammheimliche Duldung eines schweren Vergehens verharmlost. Die strafrechtliche Verfolgung der Vergehen wird kirchenintern nach deren Regeln durchgesetzt. Sündenvergebung und Solidarität der Gläubigen bestimmen diese. Das letzte und entschuldigende Wort in allen Fällen steht dem Patriarchen an der Spitze zu, der mit dem Bekenntnis zur Scham die Unschuld der Organisation beschwört und gleichzeitig die Schuld einem Dritten, nämlich dem Teufel zuweist. Weil dieser Bösewicht für die Welt nicht überall akzeptiert wird, folgt dann noch die Verallgemeinerung des schändlichen Tuns, indem auf Kindesmissbrauch in Familien, Schulen und Sportvereinen hingewiesen wird. Missbrauch wird Brauchtum. Ein Staatsanwalt ist da überflüssig.

Was sagt die Justizministerin dazu? Sie fordert die Kirche auf, in dieser Sache tätig zu werden, will den Bock zum Gärtner machen. Die Verfolgung und Ahndung von Straftaten ist in einem demokratischen Rechtsstaat ausschließlich Aufgabe der Polizei und Staatsanwaltschaft, die die Täter vor einen ordentlichen Richter bringt, der dann die angemessene Strafe verhängt. Das kann nicht einfach an irgendwelche Parallelgesellschaften welchen ideologischen Grundes auch immer outgesourct werden.

Angesichts der Tatsache, dass die zahlreichen Missbrauchsfälle im Bereich der Kirche nicht zuletzt auf deren Sexualmoral, Herrschafts- und Machtverhältnisse zurückzuführen sind, muss erwartet werden, dass bei erstem Bekanntwerden von Missbrauch Polizei und Staatsanwaltschaft in dieser Sache aktiv werden. Nichts dergleichen geschieht. Wenn es um die Kirche und ihre Repräsentanten und Mitarbeiter, Bischöfe und Priester geht, hält man im Strafverfolgungsapparat des Staates die Füße still. Es gibt keine Beweissicherungsverfahren, Razzien in den „geheimen“ Archiven der Kirche, erst recht keine Strafverfahren vor ordentlichen Gerichten wegen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen oder wegen Strafvereitelung.

Dass es auch anders gehen kann, hat jetzt Australien vorgeführt. Dort wurde George Pell, Kardinal und lange Zeit dritter Mann im Vatikan, von einem Geschworenengericht schuldig gesprochen. Nun erwartet ihn eine langjährige Haftstrafe. Von einer Freilassung auf Kaution sah das Gericht ab und nahm ihn bis zur Urteilsverkündigung in U-Haft. Schließlich ist eine Haftstrafe von bis zu 50 Jahren möglich, und da kann auch einen älteren Herren schon mal die Reiselust in einen befreundeten Kleinstaat befallen. Der Vatikan hat ihn ja aus Altersgründen in den Ruhestand versetzt.

Manfred Wolff

27.02.2019

 

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