Auf den Barrikaden – Alfred Hrdlicka im Käthe Kollwitz Museum



Alfred Hrdlickas Schaffen ist geprägt durch seine Entlarvung, Anklage und Bekämpfung der Gewalt gegen die Unterdrückten. In der aktuellen Berliner Ausstellung sind 35 Arbeiten auf Papier und zehn Plastiken zu diesem Thema zu sehen.

Die Jahre 2018 und 2019 geben vielfältigen Anlass, sich in runden Jahreszahlen des revolutionären Aufbegehrens in den Gesellschaften zu erinnern: die Französische Revolution, die deutschen Revolutionen 1848 und 1918/19, die Proteste der Studenten 1968 und schließlich die friedliche Revolution in der DDR, die mit dem Begriff Wende verniedlicht wird. Widerstand gegen ungerechte und gewaltsame Herrschaft war immer mit Not, Angst und Schmerzen verbunden.

Alfred Hrdlicka, 1928 als Sohn eines kommunistischen Gewerkschaftsfunktionärs in Wien geboren, hat das seit seiner Kindheit erfahren. Prügel von der österreichischen Polizei bei einer Hausdurchsuchung und Leben in der Illegalität in der Zeit der Naziherrschaft haben das tief in sein Gewissen gebrannt. Anklage gegen die reaktionären Unterdrücker und Solidarität mit den Opfern durchziehen sein Lebenswerk.

Zeit seines Lebens stand der Mensch im Mittelpunkt seines Schaffens. Im Gegensatz zu seinem Lehrer Wotruba und dessen anderen Schülern hat er sich nicht der abstrakten oder konstruktivistischen Form zugewandt. Aber auch in Ablehnung der idealisierenden Tendenz in zahlreichen Plastiken, die in dem Menschenbild eine vollkommene Schönheit vortäuschen, war der Mensch für Hrdlicka immer das leidende Wesen, voller Zweifel an seiner Umwelt und Verzweiflung über das Leiden.

Die Papierarbeiten der Ausstellung im Käthe Kollwitz Museum zeigen das Engagement Hrdlickas für diesen Menschen. Mit kraftvollem Strich werden Bilder aus der Französischen Revolution und aus den Barrikadenkämpfen der Revolution von 1848 in Szene gesetzt, in denen der Tod, allgegenwärtiger Begleiter des Menschen, eine Hauptrolle spielt.

Die gezeigten Großplastiken Hrdlickas sind keine Heldenbilder. Auch der Orpheus, der den Museumsbesucher am Eingang begrüßt, ist nicht die idealisierte Gestalt der griechischen Sagenwelt. Er drückt den Schmerz über den Verlust, die Unsicherheit über den Erfolg seines Bemühens aus. Der Satyr und die Nymphe sind kein lustvolles Liebespaar, vielmehr windet sich die Frauengestalt unter dem gierigen Machtanspruch des Mannes. In der Inquisition wird der Mensch von der Macht erdrückt.

Zwei Anmerkungen:

In Berlin ist Hrdlicka mit dem Plötzenseer Totentanz auch im Gemeindehaus der evangelischen Gemeinde Plötzensee zu sehen.

Die Ausstellung im Käthe Kollwitz Museum befindet sich im 3. Stock und ist nur über eine enge steile Treppe zu erreichen, also nichts für Rollstuhlfahrer und andere Gehbehinderte. Es wird Zeit, dass das Museum geeignetere Räume für seine wichtige Arbeit erhält.

Auf den Barrikaden
Sonderausstellung vom 11. März bis 2. Juni 2019
Käthe Kollwitz Museum
Fasanenstraße 24, 10719 Berlin Charlottenburg
Öffnungszeiten täglich 11 bis 18 Uhr
Eintritt 7€, ermäßigt 4€, Jugendliche bis 18 Jahr frei

Manfred Wolff

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